Nachruf auf Peter Ihm (29. 12. 1926 – 24. 3. 2014)

von Thomas Weber und Andreas Zimmermann

Der Marburger Biostatistiker Prof. Peter Ihm, nach kurzer schwerer Krankheit am 24. März 2014 verstorben, hat auch in den archäologischen Wissenschaften bleibende Spuren hinterlassen. Aus unserer Sicht lässt es sich bis in die frühen 1970er Jahre zurückverfolgen, dass er bewusst Angebote in die Richtung der Ur- und Frühgeschichte gemacht hat, denn von dieser Zeit an wurden von ihm in Marburg, Köln und Bonn Statistik Lehrveranstaltungen für Archäologen angeboten. Einer der beiden Autoren dieses Nachrufs (A. Z.) hat mit ihm sozusagen von der „ersten Stunde“ in der Arbeitsgemeinschaft „Quantitative Methoden in der Archäologie“ seit ihrer Gründung 1981 zusammengearbeitet. Der andere (dem das als DDR-Bürger zu jener Zeit noch nicht möglich war) lernte ihn auch schon vor der politischen Wende kennen – auf einem gemeinsamen Tagungsbesuch bei dem Berliner Ägyptologen Fritz Hintze, der sich zu jener Zeit um die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung in den Altertumswissenschaften bemühte und dazu auch „ausländische“ Gäste einladen durfte.

Peter Ihm interessierte sich für die prähistorische Archäologie, vor allem für die formale mathematisierte Behandlung eines zentralen Problems dieses Faches – der Erstellung einer chronologischen Ordnung aus dem Fundstoff heraus durch dessen Systematisierung  im Rahmen einer „Seriation“ – sehr bald mit Hilfe der Korrespondenzanalyse. So schrieb er anlässlich seiner Anmeldung zur Tagung des Nordwestdeutschen Altertumsverbandes in Hannover 1981: „Es ist vielleicht überraschend, daß eine solche Anmeldung aus einer Medizinischen Fakultät kommt, aber ich veranstalte hier auch Übungen in Statistik und Datenverarbeitung für Prähistoriker.“

Einer von uns (A.Z.) hatte, wie auch Jens Lüning, die Möglichkeit kleinere Diskussions- und Texteiträge zum Lehrbuch „Statistik in der Archäologie“ von Peter Ihm beizusteuern. Zu diesem Zweck lud er uns Koautoren jeweils vielleicht für eine Woche in sein Haus bei Marburg ein. Dies ist eine Zeit angenehmer Erinnerung – nicht nur wegen des eigenen Lernens, sondern auch wegen des freundlichen, persönlichen Umgangs. In den 1980er Jahren kann man in Peter Ihm einen der vielleicht prominentesten Vertreter der deutschen quantitativen Archäologie auch auf internationaler Bühne sehen, beispielsweise bei der Tagung der „Society for American Archaeology“ 1985 in Denver, zu der das Autorenteam des Lehrbuchs eine archäologische Exkursion durch den mittleren Westen der USA unternommen hat.

Der andere Verfasser dieses Nachrufs (T. W.) musste noch bis 1990 warten, um dann als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Quantitative Methoden in der Archäologie“ in Marburg an einem von Peter Ihm veranstalteten Workshop im Rahmen einer Jahrestagung der Gesellschaft für Klassifikation teilnehmen zu können. Über viele Jahre hinweg hat sich Herr Ihm dann an den Veranstaltungen dieser Arbeitsgemeinschaft aktiv mit eigenen Beiträgen beteiligt – sowohl im Rahmen ihrer Veranstaltungen bei den Altertumsverbänden als auch bei der Gesellschaft für Klassifikation. Erinnert sei hier beispielsweise daran, dass er (gemeinsam mit den Archäologinnen Claudia Theune und Barbara Sasse sowie Frank Siegmund) merowingerzeitliche Glasperlen klassifizierte und daraus wertvolle Rückschlüsse zu Chronologie, Sozialgeschichte und Ökonomie des Frühmittelalters ziehen konnte.

Es zeichnete P. Ihm aus, dass er vielen deutschsprachigen Archäologen ermöglicht hat, den Blick über die Grenzen des Fachs hinaus in einen Bereich andersartiger Methodik richten zu können. Über lange Jahre im Vorstand der Gesellschaft für Klassifikation tätig, stellte er sozusagen ein Bindeglied zwischen beiden Fächern – Archäologie und Statistik – dar, und gerade im Rahmen der Gesellschaft für Klassifikation gab es immer wieder fruchtbare Diskussionen, die die Arbeit der Archäologen bis heute inspirieren. Wir haben diesen Kollegen darüber hinaus als menschlich offen und hilfsbereit kennengelernt, so, als er vor einigen Jahren die Bibliotheksbestände in der Landesamts-Arbeitsstelle von T. W. mit einer großzügigen Bücherspende unterstützte. Darüber hinaus waren seine Vielseitigkeit, die Breite seiner Interessen und nicht zuletzt sein subtiler Humor für jeden Gesprächspartner eindrucksvoll.

Auch wenn heute viele Kollegen in seine Fußstapfen getreten sind, vermissen wir unseren Mitstreiter als „Pionier der Computerarchäologie“. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.